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Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement

In diesem Artikel spricht der Marketingexperte und Buchautor Seth Godin mir aus der Seele. Genau so arbeite ich. Das englische Original gibt´s hier.

Natürliches Licht

Eine Methode etwas herzustellen ist es alle Umstände zu kontrollieren. Stell sicher, daß du die Lieferkette solange optimiert hast, daß die Rohmaterialien immer genau gleich sind. Garantiere, daß die Arbeitsbedingungen identisch sind. Isoliere alle Prozesse von der Außenwelt, so daß sie zuverlässig und vorhersagbar sind.

Eine andere Methode ist es, das natürliche Licht zu verwenden. Nimm was du bekommst. Mache die Vielfalt der Ausgangsbedingungen zum Bestandteil dessen was du herstellst.

Wie dem auch sei, falls du die Bedingungen kontrollieren mußt, dann tue es. Stehe dazu. Es kostet sehr viel und du mußt dafür sorgen, daß es sich lohnt. Es ist dumm zu erwarten, daß du ohne Werkzeuge und Aufwand, wechselnde Ausgangsbedingungen regelmäßig zur Perfektion zwingen kannst. Moderne Operationen werden auf diese Art und Weise durchgeführt und das ist gut so. Krankenhäuser zögern nicht Zeit und Geld zu investieren, um jedes kontrollierbare Element zu kontrollieren.

Oder wähle das natürliche Licht. Begrüße die Vorstellung, daß die Bedingungen niemals ideal sind, was sie, selbstverständlich, immer ideal macht. Beim natürlichen Licht gilt, wie immer es auch gerade ist, so ist es eben.

Du kannst bei der Art und Weise wie du Ketchup herstellst, wie du Ausflüge machst oder wie du fotografierst diese Wahl treffen. Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement.

Seth Godin

Kill Your Darlings: Worauf es beim Videoschnitt ankommt

Was beim Videoschnitt am wichtigsten ist beschreibt der Fotograf Florian Büttner sehr zu treffend in einem Interview. Er erläutert den Prozess der Bildauswahl beim Zusammenstellen einer Bildstrecke:

Zu verstehen, welche Bilder in eine Geschichte gehören, welche es braucht, um etwas zu erzählen und manchmal auch tolle Bilder rauszuschmeißen, weil sie die Story nicht weiterbringen, sind einige der wichtigsten Fähigkeiten des Fotojournalisten überhaupt.

Florian Büttner

Eine bunte Spielzeugpistole liegt im Gras. Sie stellt den Ausdruck "Kill Your Darlings" dar, was Reduktion auf das Wesentliche im Videoschnitt bedeutet.

Kill Your Darlings

Reduktion auf das Wesentliche

Ein Fachbegriff von Textern und Drehbuchautorinnen ist “Kill Your Darlings”. Es bedeutet im Dienste der Story den Überblick zu behalten und einzelne schöne Details die ablenken radikal heraus zu schneiden. Das tut oft weh, damit ist ja dieses schöne Detail für immer verloren. Niemand wird es jemals zu Gesicht bekommen.

Mir geht es beim Schneiden und Montieren eines Video Portraits oft genau so. Das ist das Härteste am Videoschnitt. Womöglich habe ich viel Aufwand bei der Herstellung dieses Details investiert um es jetzt weg zu lassen. Das Material wird Stück für Stück auf die Essenz kondensiert. Diese ständigen Entscheidungen beim Schnitt benötigen die meiste Zeit und Energie.

Videoschnitt kondensiert

Nur durch diese Konsequenz wird der Film ausdrucksstark, prägnant und kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Je einfacher, je besser. Je weniger Information zum Beispiel, um so mehr hat der Zuschauer Zeit sich auf die Situation, die Stimmung und letztendlich auf den Menschen ein zu lassen.

Dann erst entsteht eine Verbindung zwischen der Portraitierten und dem Zuschauer, wo möglich intensiver als in einem persönlichen Gespräch. Das ist das Ziel meiner Arbeit.

Informationen sind sekundär

Was zählt ist die Emotion, die Verbindung zur Zuschauerin. Fühle ich mich als Betrachter abgeholt und verstanden? Je natürlicher und ungekünstelter der Mensch im Video erscheint, um so leichter kann ich mich identifizieren. Genau das arbeite ich im Videoschnitt heraus.

Die Informationen über die Arbeit der Dargestellten finden sich auf der Webseite wieder. Dort kann ich sie im eigenen Tempo lesen und so tief einsteigen wie ich möchte.

Das Video Portrait lockt mich an und überzeugt mich weiter zu lesen und mich mit der Coach, dem Trainer oder der Beraterin in Verbindung zu setzen.

Krebse…

sind ein entscheidendes Element im Kinderbuch “Oma, wie viel Krebs hast du heute?” von Daniela Draeger. Sehen Sie hier wie es zu diesem wunderbaren Buch kam.

Hier können sie das Buch kaufen: Onlineshop

Aus einer Idee kann ein richtiges Buch entstehen, ohne Verlag und entsprechende Ressourcen. Dafür ohne Kompromisse und mit einer klaren Vision. Jedes Detail stimmt. Man muss das Buch in die Hand nehmen und durch blättern. Es ist ein kleines Meisterwerk.

Der ausdauernde Einsatz der Autorin Daniela Draeger in Zusammenarbeit mit ihrem ausgewählten Team hat das ermöglicht. Ihre Begeisterung für das Anliegen des Buches hat uns alle zu Höchstleistung beflügelt. Sehen Sie hier den Schauspieler Oliver Mommsen wie er erklärt, warum er sich zwischen seinen vielen Engagements die Zeit genommen hat, das Buch als Hörbuch ein zu sprechen.

Da fühlt man sich angeregt eigene Ideen und Träume an zu gehen: Eine Herzensangelegenheit mit Mut, Offenheit, professionellem Einsatz und den dazu passenden Unterstützern in die Tat um zu setzen.

Abenteuer Film

In einem Artikel von Foerster & Kreuz geht es darum wie Routine sich in unsere Arbeit schleicht und unser Leben langweilig und öde werden lässt. Ihr Gegenmittel: Man stelle sich immer wieder folgende fünf Fragen:

  • Warum habe ich damals diesen Job gewählt?
  • Was sind die Dinge, die für mich wirklich Bedeutung haben?
  • Was ist das, was mich inspiriert, wachsen lässt und herausfordert?
  • Hat das irgendeine Relevanz in meiner täglichen Arbeit?
  • Wenn nein, warum eigentlich nicht?

Diese Fragen helfen einem, sich selbst auf die Schliche zu kommen. Ich kann die aus Bequemlichkeit einsetzende Routine unterlaufen. Die ersten drei Fragen bringen mir in Erinnerung warum ich das tue, was ich tue. In meinem Fall: Ich möchte frei und unabhängig arbeiten und mir meine Auftraggeber aussuchen. Ich möchte dabei flexibel sein, den technischen Aufwand so niedrig wie möglich halten um mehr künstlerische Freiheit zu haben.

Bei meiner Arbeit geht es so schnell wie möglich um das Wesentliche: Wie agieren meine Protagonisten vor der Kamera, wie kann ich es ihnen so einfach wie möglich machen entspannt und natürlich zu erzählen. Meine Imagefilme sollen Transparenz und Lebendigkeit zu Webseiten hinzufügen.

Was mich inspiriert und herausfordert: Ohne Drehbuch, Schauspieler oder Sprecher ein elegantes und flüssiges Video zu produzieren. Es gibt keinen Nachdreh, alles was beim ersten mal nicht klappt, muss im Schnitt korrigiert werden. Das ist meine Kunst. Beim Drehen hole ich das Beste heraus, beim Schnitt mache ich daraus die Story, das beeindruckende Filmerlebnis.

Nach dem Betrachten der ersten Schnittversion kommen die Wünsche der Auftraggeber und jetzt geht es darum diese um zu setzen und dabei das Resultat weiter zu verbessern. Ich kann nie vorher wissen was alles auf mich zu kommt. Alles Unvorhersehbare fordert von mir neue Erfindungen und Improvisationen. Die unmöglichsten Anforderungen lassen mich zur Hochform auflaufen. Im Moment plane ich mehrere Kurzfilmprojekte für einen meiner Kunden.

Das ist das Abenteuer.

Solange ich das im Blick behalte, kann ich Frage vier mit einem eindeutigen Ja beantworten und Frage fünf erübrigt sich.

Inspiration: FOERSTER & KREUZ: Routine frisst Spirit.

Mein Vorbild Hartmut Esslinger

Während meines Studiums, Ende der Achtziger Jahre, habe ich meinen ersten Computer gekauft. Es war ein Apple Macintosh Classic. Die Grafikdesigner an unserer Hochschule waren von diesem Computer begeistert. Nicht nur Programmierer, sondern auch Designer konnten damit umgehen.

Kurz darauf viel mir das Buch “Hartmut Esslinger und Frogdesign” in die Hände. Er war der Produktdesigner meines Computers. In diesem Buch stellt er der Lehre “Form follows Function” sein “Form follows Emotion” entgegen. Als Designstudenten lernten wir Gestaltungsregeln nach Bauhaus, die als Grundlage perfekt waren. Darauf aufbauend hat mich Esslinger mit seinen Ideen und Konzepten begeistert und überzeugt. Er hat damals Steve Jobs bestärkt konsequent die intuitive Benutzerführung und die Reduktion auf das Wesentliche umzusetzen.

Seine Theorie rückt den Kundennutzen in den Mittelpunkt. Kunden müssen nicht lernen und verstehen, die Form des Produktes leitet sie intuitiv an. Selbst die innovativsten Produkte müssen einfach bedienbar sein.

Für mich heißt das seit damals, ich mache es dem Zuschauer meiner Filme so einfach wie möglich die Botschaft zu verstehen und die Aussage nachzuvollziehen. “Form follows Emotion” heißt für mich der Verzicht auf allen Firlefanz und Effekthascherei. Die authentisch erzählte Geschichte meiner Protagonisten macht es möglich eine echte Verbindung herzustellen und den Menschen ein Stück weit kennenzulernen.

Quelle: Hartmut Esslinger – Advice For Designers on Vimeo

 

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