Tag: Arbeit

Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement

In diesem Artikel spricht der Marketingexperte und Buchautor Seth Godin mir aus der Seele. Genau so arbeite ich. Das englische Original gibt´s hier.

Natürliches Licht

Eine Methode etwas herzustellen ist es alle Umstände zu kontrollieren. Stell sicher, daß du die Lieferkette solange optimiert hast, daß die Rohmaterialien immer genau gleich sind. Garantiere, daß die Arbeitsbedingungen identisch sind. Isoliere alle Prozesse von der Außenwelt, so daß sie zuverlässig und vorhersagbar sind.

Eine andere Methode ist es, das natürliche Licht zu verwenden. Nimm was du bekommst. Mache die Vielfalt der Ausgangsbedingungen zum Bestandteil dessen was du herstellst.

Wie dem auch sei, falls du die Bedingungen kontrollieren mußt, dann tue es. Stehe dazu. Es kostet sehr viel und du mußt dafür sorgen, daß es sich lohnt. Es ist dumm zu erwarten, daß du ohne Werkzeuge und Aufwand, wechselnde Ausgangsbedingungen regelmäßig zur Perfektion zwingen kannst. Moderne Operationen werden auf diese Art und Weise durchgeführt und das ist gut so. Krankenhäuser zögern nicht Zeit und Geld zu investieren, um jedes kontrollierbare Element zu kontrollieren.

Oder wähle das natürliche Licht. Begrüße die Vorstellung, daß die Bedingungen niemals ideal sind, was sie, selbstverständlich, immer ideal macht. Beim natürlichen Licht gilt, wie immer es auch gerade ist, so ist es eben.

Du kannst bei der Art und Weise wie du Ketchup herstellst, wie du Ausflüge machst oder wie du fotografierst diese Wahl treffen. Weniger Ausrüstung, weniger Reproduzierbarkeit, mehr Engagement.

Seth Godin

Ohne Auftrag

Dieses Video von CreativeMornings hat mich zum Nachdenken gebracht. Jim Coudal von Coudal Partners erzählt wie ihm klar wurde, dass er zwar selbständig, frei und unabhängig mit seiner Firma ist, er in Wirklichkeit zwar keinen Boss hat, aber seine Kunden ihn genauso unter Druck setzen können. Manchmal muss er und seine fünf Partner Kompromisse eingehen weil der Kunde es so will. All diese Kompromisse störten ihn, er musste aber im Kundeninteresse handeln.

Jim Coudal erzählt weiter wie er bemerkt hat dass seine Projektideen ohne Auftrag immer auf die Freizeit verschoben wurden, da ja niemand dafür bezahlt und es somit reiner Zufall war was davon jemals realisiert wurde. Da hat er angefangen eine solche Projektidee so zu behandeln, wie wenn es ein realer Kunde wäre. Er hat genauso viel Zeit dafür eingesetzt wie für einen echten Kunden innerhalb der regulären Arbeitszeit. Natürlich kam zunächst kein Umsatz herein, wie das manchmal bei Aufträgen ja auch der  Fall war. Ausser Zeit durfte nur im begrenztem Masse Kapital investiert werden.

Eines der Projekte war ein Service für Bands: Deren Fans konnten beim Konzert eine CD mit der Liveaufnahme des Abends bestellen, bezahlen und innerhalb von zwei Woche wurde die CD zugeschickt. Coudal Partners hat das Konzert aufgenommen und die CDs produziert. Sie hatten viel Spass, sind mit den Bands auf Tour gewesen, haben gut Geld damit verdient. Dieses Projekt hat guten Umsatz gebracht. Später mussten sie dieses erfolgreiche Projekt einstellen, da der Ärger mit den Managern der Bands und die Lizenzverhandlungen mit den Plattenfirmen zu mühselig wurden. Dann kam die nächste Idee: spezielle, hochwertig produzierte Notizbücher, komplett in USA hergestellt. Das wurde ein Hit.

Inzwischen hat Coudal Partners nicht mehr soviel Zeit für Kundenaufträge, das ist jetzt eher die Ausnahme. Die Hauptarbeitszeit ist jetzt für die verschiedenen eigenen Projekte reserviert. Wenn jemand eine Idee für ein neues Produkt hat, wird sehr schnell ein Prototyp hergestellt, um es so schnell wie möglich am Markt zu testen. Wenn es ankommt wird es produziert. Jetzt hat die Firma wirklich die Freiheit wie wir es von Künstlern kennen, die ohne Auftrag produzieren.

Wie würde dieses Geschäftsmodell in meiner Firma aussehen? Wenn ich auf mein bisheriges Berufsleben zurückschaue, sehe ich dass ich noch nie so gearbeitet habe. Ich dachte immer das Risiko ist geringer wenn ich erst arbeite wenn ich einen Auftrag habe.

Zunächst ist es mehr Risiko ohne Auftrag zu produzieren, hat aber den Vorteil man kann ohne Kompromisse arbeiten. Die Kunst ist dann den Markt zu finden und rechtzeitig zu erkennen falls dafür kein Markt da ist. Dann probiert man etwas Neues. Das Risiko bei Auftragsarbeiten ist dafür, genauso wie bei einer Anstellung, dass  man arbeitslos wird.

In meiner Fotografenlehre habe ich gelernt wie man mit Auftragsarbeiten Geld verdient und dann habe ich das Zeit meines Lebens auf alle meine Interessen angewandt. Jetzt erst realisiere ich, dass das nur ein Geschäftsmodel im Film oder in der Fotografie ist. Da jetzt die Produktionskosten durch Digitalisierung und die Marketingkosten durch das Internet drastisch gesunken sind, ist es jetzt ganz anders möglich unabhängig, ohne Auftrag zu produzieren. Ich habe einige Ideen die ich ausprobieren möchte.

Mit einer meiner Kundinnen kam mir beim Drehen ihres Videos für ihre Website die Idee zu einem Kurzfilm. Im Moment schreibe ich die Geschichte, dann will ich das Ganze mit ihr zusammen als digitalen Kurzfilm produzieren, um dann zu sehen ob es ankommt und ob wir dafür einen Markt finden.

Parallel zu meiner beruflichen Arbeit habe ich immer fotografiert und bin auch da jetzt am untersuchen, wie könnte ich diese Bilder vermarkten oder ganz neue Vermarktungswege dafür finden. Zunächst bietet sich an, eine Ausstellung zu organisieren um zu sehen wie die Fotografien ankommen, dann kann ich weiter sehen.

Ich kann mir gut vorstellen in Zukunft mehr solche Projekte zu realisieren und dafür weniger Auftragsarbeiten auszuführen. Die machen in den meisten Fällen genauso viel Spass wie Arbeiten in eigenem Auftrag, deshalb wird das sicher immer ein Bestandteil meiner Arbeit sein.

REWORK, Business intelligent und einfach

“Wir haben etwas Neues darüber zu sagen, wie man ein Unternehmen aufbaut, führt und vergrößert (oder nicht vergrößert).

Unser Buch basiert nicht auf wissenschaftlichen Theorien, sondern auf unserer Erfahrung. Wir sind seit über zehn Jahren im Geschäft. In dieser Zeit gab es zwei Rezessionen und eine geplatzte Spekulationsblase; angesagte Geschäftsmodelle und Untergangsprognosen kamen und gingen – aber wir machten die ganze Zeit Gewinn.”

Dies ist der Anfang des Buches “REWORK, Business intelligent und einfach” von Jason Fried und David Heinemeier Hansson. Ein Buch das auf angenehme und manchmal überraschende Art und Weise unsere eingefahrenen Gleise, wie man eine Firma führt, Produkte entwickelt und sie verkauft auf den Kopf stellt. Die erklärenden und vertiefenden Beispiele machen die Übertragung auf das eigene Unternehmen einfach. Da jedes Kapitel innerhalb von ein bis zwei Seiten abgehandelt wird, kann man schnell mal zwischendurch zur Abwechslung und Entspannung diese Ideen als Inspirationsquelle nutzen. Das Buch ist kurz und es ist einfach zu lesen weil es die Essenz eines komplexen Forschungsprozesses der Autoren darstellt. Die beiden sind auch da einer ihrer Maximen treu, weniger ist mehr. Es lohnt sich jedes Kapitel genau zu studieren und auf der Zunge zergehen zu lassen.

Das Kapitel “Stellung beziehen” hat mir bei der genauen Ausrichtung meines Angebotes geholfen. Auf Englisch heisst es “Draw a line in the sand”, “Zieh eine Linie in den Sand”, bis hier her und nicht weiter. Wo grenze ich mein Angebot ab, was biete ich nicht an. Eine klare Stellung beziehen, lieber die, die etwas anderes wollen abschrecken, als allen alles Recht machen zu wollen. Beim Lesen wurde mir klar, wie ich doch immer wieder dabei Kompromisse gemacht habe und ich noch eindeutiger werden muss. Lieber einige Interessenten verlieren, als einen Kunden nicht mit Qualität und Effizienz zu verblüffen. Lieber ein sehr enges und spezialisiertes Angebot anbieten, dafür darin der Beste werden und Kunden begeistern. Das ist mein Ziel, immer wieder und wieder.

Fried und Heinemeier Hansson sind Geschäftsführer und Gründer der Software Firma “37signals” . Eines Ihrer Produkte, die CRM-Software “Highrise” benutze ich nahezu jeden Tag seit vier Jahren. Ich erlebe und spüre die Umsetzung dieser Erkenntnisse am eigenen Leib in meinem beruflichen Alltag. Das funktioniert, alles was sie schreiben praktizieren sie selber in ihrer Firma mit Erfolg. Ich sehe mit meinen eigenen Augen wie ihre Geschäftsprinzipien funktionieren. Das überzeugt und regt an mitzumachen.

Gerade habe ich dieses Video eines Vortrages von Jason Fried gefunden. Er spricht darüber wie wir arbeiten und was wir eigentlich benötigen um die wirklich wichtigen Aufgaben erledigen zu können. Wie wenig herkömmliche Arbeitsplätze dafür geeignet sind.

Work is love made visible.

“Work is love made visible. And if you cannot work with love but only with distaste, it is better that you should leave your work and sit at the gate of the temple and take alms of those who work with joy.”

“Arbeit ist Liebe, sichtbar gemacht. Wenn Du nicht mit Liebe arbeiten kannst, sondern nur mit Widerwillen, dann ist es besser die Arbeit sein zu lassen und am Tempeltor zu sitzen um Almosen von denen zu empfangen, die mit Freude arbeiten.”

Kahlil Gibran

Gefunden auf Steve McCurry’s Blog

Interessante Auffassung von Arbeit. Und Almosensammeln. Eine etwas andere Betrachtungsweise.

Dieser Blogpost von Steve McCurry zeigt einige seiner ausgezeichneten Fotografien zum Thema Arbeit, fotografiert an den unterschiedlichsten Orten.

Aufmerksam wurde ich auf diesen Fotografen, da ich gelesen habe, er hat den letzten Kodachrome Film belichtet. Seit gestern werden diese Filme nicht mehr entwickelt, die Produktion wurde schon in 2009 eingestellt. McCurry zeigt hier seine letzten Kodachrome Bilder, sehenswert. Das Ende einer Ära nach 85 Jahren.

Kodachrome war der erste Farbfilm den ich benutzt habe, ein Diafilm. Hunderte von Urlaubsbildern, Stunden von Diaschauen… Auch als Fotograf habe ich ihn immer wieder eingesetzt, er hatte eine höhere Auflösung aufgrund einer ganz eigenen Technologie.


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