Warum es nicht auf Leistung, sondern auf Wirkung ankommt
April 13, 2010Dies ist ein Blogbeitrag, der für alle Dienstleister interessant sein dürfte. Für mich war es eine gute Erinnerung das zu lesen. Hans-Peter Zimmermann schreibt:
Beim Skifahren vorige Woche war ich in zwei verschiedenen Pisten-Restaurants. Das Angebot der beiden Etablissements war miteinander vergleichbar.
Es war morgens um 10 Uhr, und ich war einer der Ersten auf der Piste. Die Kellnerin sah mich schon von weitem über die Terrasse kommen, verschwand dann aber rechtzeitig im Innern des Hauses und ward nicht mehr gesehen. Nach gefühlten fünf Minuten ging ich rein und musste sie förmlich suchen. Ich bestellte einen koffeinfreien Kaffee (ja, ich lebe seit einiger Zeit fast koffeinfrei) und fragte, ob sie Gipfeli (neudeutsch heißt das Croissant) habe. Sie schüttelte den Kopf auf eine Weise, die erahnen ließ, wie froh sie war, mir nicht dienen zu können.
“Sandwich?” Meine zweite Frage erntete das gleiche erleichterte Kopfschütteln.
Gottseidank hörte der Koch unsere Konversation und ließ über seine servicefreundliche Kollegin ausrichten, er würde mir schon ein Hobelkäse-Sandwich machen. Das war dann auch tadellos, schön garniert und sogar noch mit für ein Sandwich unverhältnismäßig schön verziertem Teller.
Im zweiten Restaurant war die Leistung, was das Produkt anging, genau gleich. Nur begrüßte mich die Kellnerin schon von weitem und sagte fröhlich: “Sie möchten sicher ein Käfeli haben, oder?” Ich musste nur noch fröhlich ergänzen: “Ja, aber bitte koffeinfrei.” Und eh’ ich fragen konnte, ob sie etwas zu knabbern habe, meinte sie auch schon: “Gipfeli haben wir leider keine, weil fast niemand bei uns frühstückt, aber möchten Sie ein schönes Schinkenbrot mit feinem Bauernschinken aus der Region?”
“Geht Hobelkäse auch?”
“Selbstverständlich, ich bringe es Ihnen sofort.”
Keine der Kellnerinnen hat mehr geleistet als die andere, es sei denn, jemand würde wissenschaftlich nachweisen, dass Lächeln und Begrüßen mehr Energie verbraucht als Weglaufen und Kopfschütteln.
Aber Ihr werdet mir sicher nicht widersprechen, wenn ich Euch sage, dass die zweite Kellnerin wesentlich mehr Wirkung gezeigt hat, oder? Und glaubt Ihr mir auch, dass sich diese höhere Wirkung langfristig auch in einer höheren Lebensqualität (und dazu gehört auch das Gehalt) niederschlägt?
Original Beitrag
Posted by Sylvester Becker

